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Im Titel In der Beschreibung     Erweiterte Suche
Veröffentlicht : January 11, 2011 | Autor : seventears
Kategorie : Kunst und Kultur | Bisher gelesen : 290

  

Seelenmassage auf Amrum

Das Innenleben von Beamten kennt Wolfgang A. Gogolin gut. Als Rechtspfleger und Standesbeamter weiß er schließlich, wovon er spricht. Und so verwundert es nicht, dass Gogolins Bücher sich unter anderem um all das drehen, was den gemeinen Beamten beschäftigt. Dazu gehören neben dem Sexualleben auch grundsätzliche Fragen über den Sinn des (Beamten-)Lebens und die Überzeugung, dass Beamte mit dem, was sie tun, einen gesellschaftlichen Auftrag haben. Das neue Buch von Gogolin hat ein neues Thema. Und der Held hat Angst vor Dunkelheit.

Wenn ein grauenvolles Erlebnis, ein Unfall und eine Trennung verarbeitet werden müssen, ist man gleich dreifach gebeutelt. Dem Protagonisten in Gogolins neuem Buch „Schlafen bei Licht“ geht es so. Er hat sowieso ein schweres Paket zu tragen und kann nachts nicht ohne Licht schlafen. Ein einziger schwarzer Tag in seiner Vergangenheit hat dazu geführt, dass er vor den leisesten Geräuschen erschreckt. Nachdem er einen Unfall hat, eilt seine Freundin ihm nicht etwa tröstend zur Hilfe, sondern verlässt ihn kurzerhand. Das ist einfach zu viel. Nun kann es nur um eines gehen: Das Leben muss weitergehen, es muss wieder Qualität bekommen, ein Tapetenwechsel muss her. Allein diese Erkenntnis ist schon beachtlich, denn der Held in Gogolins Buch ist sonst eher niemand, der ein Freud von Veränderungen ist. Umso erstaunlicher ist sein Entschluss, auf Amrum einen Neuanfang zu wagen. Es entwickelt sich eine humorvolle Liebesgeschichte, die dem Leser Zugang gewährt zu einer Persönlichkeit, die schwach und liebenswert, kompliziert und doch nachvollziehbar ist. „Schlafen bei Licht“ hält in jedem Fall wach.

Wolfgang A. Gogolin, Jahrgang 1957, zieht es, anders als die Romanfigur seines neuen Buches, nicht weg aus seiner Heimatstadt. Gogolin lebt, liebt und arbeitet in Hamburg und hat es von dort aus bereits zu einigen Dutzend Veröffentlichungen gebracht. Neben seinen Beamtengeschichten ist besonders sein Buch „Der Puppenkasper“ erwähnenswert, der sich amüsant mit weiblicher Macht und männlicher Ohnmacht beschäftigt.

Sandra Viehs




 

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