Über 20 Millionen Dollar Preisgeld, Mutter eines gesunden Sohnes, drei Grand-Slam-Titel und eine Olympische Goldmedaille. Als Außenstehender ist kaum zu begreifen, warum
Lindsay Davenport im September des vergangenen Jahres ihren Rücktritt revidierte und auf die Tour zurückkehrte. Erreicht hatte sie im Tennis doch fast alles, beweisen musste sie niemandem mehr etwas. Wahrscheinlich ist es jedoch dieses innere Feuer gewesen, jener Hunger nach Erfolgen, der nie erloschen ist. Nicht den Anderen, sich selbst wollte die US-Amerikanerin beweisen, dass sie mit knapp über 30 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Betrachtet man nun das bisherige Comeback der ehemaligen Weltranglisten-Ersten, hat sie den gewünschten Beweis längst erbracht. Gestärkt durch Mutterglück und Erfahrung im Umgang mit
Tennisschläger und Filzball, schaffte sie eine bemerkenswerte Rückkehr. Gleich bei ihrem ersten Auftritt im Einzel beim WTA-Turnier auf Bali, nahm sie den Siegerpokal mit nach Haus. Jelena Jankovic und Daniela Hantuchova waren die prominentesten Geschlagenen auf ihrem Weg zum Titel. Es folgten die Halbfinalteilnahme beim Turnier in Peking und ein erneuter Finalsieg in Quebec. Nicht wenige Experten trauen der oft als schwerfällig verschrienen Davenport im Jahr 2008 den ganz großen Wurf zu. Dass sie keinen Deut ihres druckvollen Spiels eingebüßt hat, bewies sie gleich zu Jahresbeginn im neuseeländischen Auckland. Das Vorbereitungsturnier auf die Australian Open gewann sie und ist nun für die Duelle in der Rod-Laver-Arena mehr als gerüstet. Durchaus möglich also, dass sie ihren bislang drei Grand-Slam-Erfolgen, die überdies schon lange zurückliegen,
in den nächsten zwölf Monaten noch einen vierten Sieg hinzufügt. Selbst wenn dies nicht gelingen sollte, sich selbst hat es Davenport auf alle Fälle noch einmal bewiesen.