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Im Titel In der Beschreibung     Erweiterte Suche
Veröffentlicht : February 01, 2010 | Autor : stevenweingard
Kategorie : Sport und Unterhaltung | Bisher gelesen : 661

  

Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte vertraten die Sportler alle Kontinente der Welt. Ebenso nahmen zum ersten Mal Japaner an den Olympischen Spielen teil. Die Anzahl der Wettkämpfe an denen Frauen teilnehmen durften stieg aufgrund ihrer Teilnahme an den Schwimmwettkämpfen stark an, sehr zum Missvergnügen von Coubertin. Die Olympischen Spiele in Stockholm brachten einige Neuerungen, denn zum ersten Mal standen der leichtathletische Zehnkampf und der moderne Fünfkampf (bestehend aus Schwimmen, Wettlauf, Pferderennen, Degenfechten und einer Schießübung) auf dem Programm. Ebenfalls wurden zum ersten Mal die elektrische Zeitmessung und die Zielfotografie eingesetzt. Die vertretenen Sportarten waren Leichtathletik, Schwimmen, Greco-Roman-wrestling, Fechten, Rudern, Segeln, Fahrradfahren, Schießen, Turnen, Tennis, Fußball, modernes Pentathlon sowie Equestrianism.

Durch die Initiative von de Coubertin fanden ab 1912 (bis 1948) auch Wettkämpfe ohne Sportschuhe und Sportbekleidung statt. Es wurden Wettkämpfe in der Architektur, in der Bildhauerei, in der Malerei, in der Literatur sowie in der Musik ausgetragen, was darauf zurück zu führen ist, dass im antiken Griechenland Kunst und Sport Hand in Hand ineinander übergingen und dadurch das Ideal der Harmonie von Geist und Körper angestrebt wurde. Im Rahmen der olympischen Spiele griff Coubertin dieses Ideal erneut auf und schlug vor Kunst und Kultur in das Programm einzubauen. Heute finden diese „Wettkämpfe“ in einer anderen Art und Weise statt. Mit der Vergabe des Austragungsortes der Spiele versucht das jeweilige Land bzw. die Stadt sich von der besten Seite zu zeigen und auch neben den Spielen den Zuschauern ein Kulturprogramm zu bieten. Ebenfalls werden für die Spiele oft neue Gebäude errichtet, wofür im Vorfeld nicht selten ein Ausschreibungswettbewerb veranstaltet wird.

Die Wettkämpfe der Leichtathleten und der Schwimmer hatten ein sehr hohes Niveau. In ihren Verläufen wurden 29 olympische und 13 Weltrekorde aufgestellt. Die Helden der Olympischen Spiele, der Finne Hannes Kolehmainen und der Amerikaner Jim Thorpe, stellten je zwei dieser Rekorde auf. Kohlemainen wurde so zum Begründer des finnischen Läuferruhmes. Thorpe, ein hervorragender Repräsentant im  Mehrkampf, wurde jedoch durch sein eigenes Komitee wieder von der Liste der olympischen Sieger gestrichen. Zum Einen soll der Grund darin gelegen haben, dass er in seiner Vergangenheit einmal als Baseballprofi gestartet war, zum Anderen wegen seiner indianischen Herkunft.

Die Schweden konnten die meisten und größten Erfolge für sich beanspruchen und neben ihnen die Amerikaner und die Engländer. Am höchsten ist jedoch die gute Organisation und die Tatsache zu werten, dass die Idee der Olympischen Spiele bei einer ganzen Reihe weiterer Nationen Wurzeln geschlagen hatte.

In Stockholm herrschte während den Olympischen Spielen eine sehr festliche Stimmung. Dazu trugen vor allem die frohen Schweden, die Stadt die sich mit Girlanden, Fahnen und Blumen schmückte, sowie die dazukommenden hellen Sommernächte bei. Bei der Eröffnungszeremonie bauten die Schweden auf den Fundamenten Londons ein Konzept auf, das bis heute nach Form und Inhalt in allen entscheidenden Zügen gültig ist. Über den Spielen hatte ein guter Stern gestanden. Und wie Lembke berichtet gehörten diese Spiele noch ganz den Amateuren, jene Anhänger des Sports, die leidenschaftlich um den Sieg kämpfen, bei Meinungsverschiedenheiten auch einmal protestieren, aber sich dennoch nicht zerstritten (der Amateurstatus kann aber durchaus auch kritische betrachtet werden: so wurde Bürger aus der Arbeiterschicht quasi vom Sport ausgeschlossen, da sie für ihr Geld arbeiten mussten und keinen Sport treiben konnten). Ein Berichterstatter schrieb in seinem Schlusswort zu den Spielen: „Und wenn des Lebens Winter alle den tausend und aber tausend Fröhlichen, die bevorzugt waren, den olympischen Festen beizuwohnen, Silberhaar um ihre Schläfen windet, werden sie immer wieder den Enkeln von den glanzvollen Stockholmer Tagen erzählen. Wer kann ihnen wehren, wenn sich dann die Wangen röten und das Auge blitzt“ (Lembke, 1971: Das große Handbuch der Olympischen Sommerspiele, S. 95 – 96).

Die Stockholmer Spiele waren die letzten Olympischen Spiele vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Lembke beschreibt dies als die Sprache der Zeit, die am 1. August 1914 unwiderruflich zu Ende gegangen ist – eine Sprache, die wir nicht mehr sprechen wollen und können. Und er fragt sich, ob es nicht die Sprache einer Epoche ist, die in vielem menschlicher war als zu unserer eigenen Zeit.

 




 

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