Veröffentlicht : February 01, 2010 |
Autor : stevenweingard Kategorie : Sport und Unterhaltung | Bisher
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Zum ersten Mal in der
olympischen Geschichte vertraten die Sportler alle Kontinente der Welt. Ebenso
nahmen zum ersten Mal Japaner an den Olympischen Spielen teil. Die Anzahl der
Wettkämpfe an denen Frauen teilnehmen durften stieg aufgrund ihrer Teilnahme an
den Schwimmwettkämpfen stark an, sehr zum Missvergnügen von Coubertin. Die
Olympischen Spiele in Stockholm brachten einige Neuerungen, denn zum ersten Mal
standen der leichtathletische Zehnkampf und der moderne Fünfkampf (bestehend
aus Schwimmen, Wettlauf, Pferderennen, Degenfechten und einer Schießübung) auf
dem Programm. Ebenfalls wurden zum ersten Mal die elektrische Zeitmessung und
die Zielfotografie eingesetzt. Die vertretenen Sportarten waren Leichtathletik,
Schwimmen, Greco-Roman-wrestling, Fechten, Rudern, Segeln, Fahrradfahren,
Schießen, Turnen, Tennis, Fußball, modernes Pentathlon sowie Equestrianism.
Durch die Initiative von
de Coubertin fanden ab 1912 (bis 1948) auch Wettkämpfe ohne Sportschuhe undSportbekleidung statt. Es wurden Wettkämpfe in der Architektur, in
der Bildhauerei, in der Malerei, in der Literatur sowie in der Musik ausgetragen,
was darauf zurück zu führen ist, dass im antiken Griechenland Kunst und Sport
Hand in Hand ineinander übergingen und dadurch das Ideal der Harmonie von Geist
und Körper angestrebt wurde. Im Rahmen der olympischen Spiele griff Coubertin
dieses Ideal erneut auf und schlug vor Kunst und Kultur in das Programm einzubauen.
Heute finden diese „Wettkämpfe“ in einer anderen Art und Weise statt. Mit der
Vergabe des Austragungsortes der Spiele versucht das jeweilige Land bzw. die
Stadt sich von der besten Seite zu zeigen und auch neben den Spielen den
Zuschauern ein Kulturprogramm zu bieten. Ebenfalls werden für die Spiele oft
neue Gebäude errichtet, wofür im Vorfeld nicht selten ein
Ausschreibungswettbewerb veranstaltet wird.
Die Wettkämpfe der
Leichtathleten und der Schwimmer hatten ein sehr hohes Niveau. In ihren
Verläufen wurden 29 olympische und 13 Weltrekorde aufgestellt. Die Helden der
Olympischen Spiele, der Finne Hannes Kolehmainen und der Amerikaner Jim Thorpe,
stellten je zwei dieser Rekorde auf. Kohlemainen wurde so zum Begründer des finnischen
Läuferruhmes. Thorpe, ein hervorragender Repräsentant imMehrkampf, wurde jedoch durch sein eigenes
Komitee wieder von der Liste der olympischen Sieger gestrichen. Zum Einen soll
der Grund darin gelegen haben, dass er in seiner Vergangenheit einmal als
Baseballprofi gestartet war, zum Anderen wegen seiner indianischen Herkunft.
Die Schweden konnten die
meisten und größten Erfolge für sich beanspruchen und neben ihnen die
Amerikaner und die Engländer. Am höchsten ist jedoch die gute Organisation und
die Tatsache zu werten, dass die Idee der Olympischen Spiele bei einer ganzen
Reihe weiterer Nationen Wurzeln geschlagen hatte.
In Stockholm herrschte
während den Olympischen Spielen eine sehr festliche Stimmung. Dazu trugen vor
allem die frohen Schweden, die Stadt die sich mit Girlanden, Fahnen und Blumen
schmückte, sowie die dazukommenden hellen Sommernächte bei. Bei der
Eröffnungszeremonie bauten die Schweden auf den Fundamenten Londons ein Konzept
auf, das bis heute nach Form und Inhalt in allen entscheidenden Zügen gültig
ist. Über den Spielen hatte ein guter Stern gestanden. Und wie Lembke berichtet
gehörten diese Spiele noch ganz den Amateuren, jene Anhänger des Sports, die
leidenschaftlich um den Sieg kämpfen, bei Meinungsverschiedenheiten auch einmal
protestieren, aber sich dennoch nicht zerstritten (der Amateurstatus kann aber
durchaus auch kritische betrachtet werden: so wurde Bürger aus der
Arbeiterschicht quasi vom Sport ausgeschlossen, da sie für ihr Geld arbeiten
mussten und keinen Sport treiben konnten). Ein Berichterstatter schrieb in
seinem Schlusswort zu den Spielen: „Und wenn des Lebens Winter alle den tausend
und aber tausend Fröhlichen, die bevorzugt waren, den olympischen Festen
beizuwohnen, Silberhaar um ihre Schläfen windet, werden sie immer wieder den
Enkeln von den glanzvollen Stockholmer Tagen erzählen. Wer kann ihnen wehren,
wenn sich dann die Wangen röten und das Auge blitzt“ (Lembke, 1971: Das
große Handbuch der Olympischen Sommerspiele, S. 95 – 96).
Die Stockholmer Spiele
waren die letzten Olympischen Spiele vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges.
Lembke beschreibt dies als die Sprache der Zeit, die am 1. August 1914
unwiderruflich zu Ende gegangen ist – eine Sprache, die wir nicht mehr sprechen
wollen und können. Und er fragt sich, ob es nicht die Sprache einer Epoche ist,
die in vielem menschlicher war als zu unserer eigenen Zeit.