Veröffentlicht : November 19, 2009 |
Autor : weingard Kategorie : Gesundheit | Bisher
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Blickt man auf die Voraussetzungen im Bereich Gesundheitsförderung,
so lasen sich bereits seit dem letztem Jahrzehnt deutlich verstärkte Bemühungen
feststellen, ein höheres Maß an körperlicher Aktivität im Alltag anzuregen. Ein
Wandel fand in den bewegungsbezogenen Public-Health-Empfehlungen statt. Diese
proklamierten Anfang der 90er Jahre für Erwachsene noch mindestens 3-mal pro
Woche ein spezielles gesundheitsorientiertes Fitnesstraining, wohingegen
heutzutage mindestens 30 Minuten mittelschwere Aktivität an den meisten Tagen
der Woche empfohlen wird. Auch die Wissenschaft befasst sich immer mehr mit dem
Thema „aktiver Lebensstil“, zum Beispiel durch Integration von Bewegung in den
Alltag oder bewusste Wahrnehmung von Möglichkeiten zu Fuß zu gehen oder mit dem
Rad zu fahren.
In dem kommenden Absatz werden die eigentlich so geläufigen
Begriffe im Bereich Gesundheit und Sport näher erläutert. Diese lehnen sich an
die Ausführungen von Abu-Omar und Rütten (2006, Sport oder körperliche Aktivität im Alltag?) an. Unter körperlicher
Aktivität versteht man die durch die Skelettmuskulatur induzierte körperliche
Bewegung, die zu einem Anstieg des Energieverbrauchs über den Grundumsatz
führt. Gesundheitsförderliche körperliche Aktivität ist der Überbegriff für
jedwede Form körperlicher Aktivität, die einen gesundheitlichen Nutzen
verspricht und kein übermäßiges gesundheitliches Risiko beinhaltet. Für den
Begriff Sport gibt es unzählige Definitionen und Erklärungsansätze. Grob
beschrieben kann man Sport als Untergruppe der körperlichen Aktivität ansehen,
wobei körperliche Leistung, Wettkampf und in vielen Fällen auch der Spaß an der
Bewegung Eigenheiten des Sports sind. Der Gesundheitssport befindet sich im
Schnittbereich von Sport- und Gesundheitssystem. Er ist hoch strukturiert und
auf die gesundheitlichen Effekte bei der körperlichen Aktivität ausgerichtet.
Ziele sind unter anderem die Stärkung physischer und psychosozialer Ressourcen,
Prävention von Risikofaktoren, Bewältigung von Gesundheitsbeschwerden, Bindung
an gesundheitssportliches Verhalten und Verbesserung der Bewegungsverhältnisse.
Nachdem zu den grundlegenden Begriffen im Bereich
Gesundheitsport Klarheit geschaffen wurde, werden im Folgenden
wissenschaftliche Erkenntnisse aus diesem Bereich vorgestellt. Unter anderem
hat das US Department of Health and Human Services (1996, Physical activity and health) nachgewiesen, dass körperliche
Aktivität das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Darmkrebs und Diabetes
mellitus Typ II senken kann und in der Lage ist, die Lebenserwartung zu
steigern. Zudem verbessern sich die Knochendichte und der Zustand des
Muskel-Skelett-Systems, was die Kompetenzen der Alltagsbewegungen im Alter
steigern kann. Positive Wirkungen körperlicher Aktivität auf das Wohlbefinden
und die Lebensqualität sind ebenfalls nachgewiesen. Neuere Forschungsergebnisse
zeigen zudem eine enge Verbindung zwischen häufigem zu Fuß gehen und einem
niedrigeren Körperfettanteil, einem niedrigeren Blutdruck und einem geringeren
Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (Baumann, 2004, Updating the evidence that physical activity is good for health;
Thompson, Rakow, Perdue, 2004, Relationship
between accumulated walking and body composition in middle-aged women).
Aufbauend auf diesen und anderen Ergebnissen verhärtet sich die Annahme, dass
die gestiegene Zahl an Übergewichtigen und Adipositas-Betroffenen nicht aus dem
Rückgang des Sporttreibens, sondern der Alltagsaktivitäten resultiert
(Brownson, Boehmer, Luke, 2005, Declining
rates of physical activity in the United States). Deshalb kann ein
gesteigertes Sporttreiben einer Gewichtszunahme vorbeugen, sollte aber durch
Maßnahmen die das alltägliches Leben betreffen ergänz werden. Zusammenhänge
zwischen generellem Sporttreiben, physischer und psychischer Gesundheit wurden
bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Dagegen ist ein gesundheitlicher Nutzen von
spezifischen Gesundheitsprogrammen eindeutig dokumentiert. So wurden in diesem
Bereich nachhaltige Effekte, bezogen auf körperliche Fitness und psychische
Gesundheit, festgestellt (Brehm, Wagner, Sygusch, 2005, Health promotion by means of health sport). Dafür, dass eine
ärztliche Beratung zum Thema körperliche Aktivität und Sport Auswirkungen auf
das Verhalten der Patienten hat gibt es keine eindeutigen Nachweise (Eden,
Orleans, Mulrow, 2002, Does counseling by
clinicians improve physical activity?).
In Deutschland wurden die Voraussetzungen für den Ausbau
qualitätsgesicherter Gesundheitsprogramme in den letzen Jahren weiter
verbessert. Als Grundpfeiler dient weiterhin das organisierte Vereinswesen und
die bestehenden Qualitätssiegel für Gesundheitssport der großen Sportverbände
erweisen sich als sehr hilfreich. Der Gesundheitssport präsentiert sich damit
neben dem Profi- und Breitensport als der dritte große Bereich, mit viel
Potential. Es wird interessant sein zu sehen, wie die beteiligten Branchen z.B.
die Hersteller von Sportartikel- und Sportbekleidungdiesen Bereich nutzen werden und ob eine Entwicklung von neuen Artikeln, wie z.B.
Sportschuhe, in diesem Bereich erfolgen wird.