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Im Titel In der Beschreibung     Erweiterte Suche
Veröffentlicht : March 08, 2007 | Autor : marryfilm
Kategorie : Medien | Bisher gelesen : 1897

  

„Klasse, dachte ich mir noch morgens beim Ausstehen, nur knappe 80km heute zu meinem Drehort für das Hochzeitsvideo den ganzen Tag alleine drehen, kein biestiger Regisseur, dem dauernd irgendein anderes Kabel auffällt, das angeblich wieder mal kurz zu sehen war, der dauernd „und noch mal, DAS war´s so aber nicht" ruft, kein Lichttechniker, der mich anfährt, dass ich doch nicht ernsthaft vorhaben könnte den Scheinwerfer auch noch spoten zu lassen..... endlich mal ein Tag ganz für mich und meine Kamera alleine...

Mist, auf DER Autobahn ist doch so gut wie nie Stau, wieso stehe ich genau jetzt und genau heute hier?!?!? Die Baustelle scheint auch nicht so ganz frisch zu sein......hätte wohl gestern doch mal Radio hören sollen......Mein Herz klopft, rast, ich hab´s langsam aber schon ein wenig eilig....... Geschafft, ich bin wirklich noch pünktlich, stehe zwar vor der Kirche in der die Trauung sein soll im Halteverbot, aber was soll´s...... die Gäste scheinen doch schon alle da zu sein und ich muss danach eh am schnellsten zusehen, dass ich weg komme..... Ups, SO dunkel ist es hier in dieser Kirche?! Scheinwerfer! Ich sollte schnellstens noch zwei Lichter setzten, damit wenigstens das Brautpaar zu erkennen ist in seinem Film, die sind schließlich meine Geldgeber. Was sagten die vorher? Da war was, was mit Kirche und Licht zu tun hatte.... wieso fällt mir das jetzt nur nicht ein?!? Die vielen Gespräche, die ich die letzten Wochen, seit ich auf den Trichter kam mit Hochzeitsfilmen mein Geld zu verdienen hatte, vermischen sich in meinem Kopf..... Irgendwo habe ich mir auch Notizen gemacht, aber ich war noch nie der Papiertiger, sonst hätte ich schließlich meinen Beruf verfehlt...... Ich bin Kreativling, Künstler! Also Scheinwerfer raus aus dem Auto. Da ich keinen für mich sonst gewohnten Kamera-Assistenten dabei habe, spreche ich einfach mal den nett aussehenden Herren in der ersten Bank an, kräftig genug scheint er doch auch zu sein. Ein wenig störrisch begleitet mich der Bruder der Braut zum Auto, aber mit meinen kurzen und prägnanten Anweisungen kapiert er schnell, was er zu tun hat und auf den Punkt- als der Pfarrer die Kirche betritt- stehe ich parat. Naja, die viele Rumsteherei bin ich vom Studio schon ganz gut gewohnt, aber das hier keiner so läuft und geht und steht, wie es vorher ausgemacht war, nervt schon gehörig, die fallen mir doch so die Hälfte der Zeit aus dem Bild?!? Aber das größte Chaos scheint erst zu kommen: statt mich vorbei zu lassen, damit ich das schon von hinten im Auszug begriffene Brautpaar auch von vorne noch schick einfangen kann, drängeln sich diverse Kirchenbesucher aus ihren Bankreihen in den Mittelgang. So geht´s aber nicht! Mit Kraft meiner Ellenbogen kämpfe ich mir den Weg nach vorne energisch frei: mein Geldgeber hat schließlich den besten Film verdient, den ich geben kann und dafür heißt es Einsatz zeigen!!! Die Szenen vor der Kirche sind schnell im Kasten und ich spanne wieder den netten Herren von vorhin ein, damit meine Scheinwerfer ins Auto wandern und weil der sich mittlerweile wirklich als engagierter Assistent erweist –zwar noch ein klein wenig widerspenstig, aber es wird- lasse ich ihm auch gleich mein restliches Equipment einpacken, während ich mich bei einer entspannenden Zigarette am Auto lehnend sammle. Mittlerweile ist das Brautpaar auch schon los gefahren und ich düse hinterher, es muss wieder mal schnell gehen. Am meisten freue ich mich jetzt auf mein Mittagessen, da ist doch wohl Drehpause, wer will denn schließlich essende Menschen im Film sehen, wie unästhetisch.... aber irgendwie im Hintergrund dämmert mir da was.... irgendwelche komischen Kunden hatte ich da doch bei meinen Gesprächen, die wollen doch allen Ernstes genau DAS.... keine Chance ihnen das auszureden....... der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach können es aber nicht die von heute sein...... ich werde jedenfalls als erstes mein Essen genießen und dann ein paar nette Aufnahmen der Gäste machen. Mir ist da letzte Nacht eine richtig prickelnde Idee gekommen: in einer ziemlich abgedrehten Filmproduktion habe ich erst kürzlich Schuß-Gegenschuß aus angeschnittener unterer Position im schnellen Wechsel gesehen-klasse! Das fetzt! Werde ich dann auch gleich mal antesten, denke, meine Kamera kann da richtig was bringen..... und den neuen Filter, der letzte Woche endlich mal geliefert wurde, den probiere ich auch mal aus. Bringt doch mal ein wenig Abwechslung in den lahmen Laden.... denn eigentlich ist doch so eine Hochzeit eine ziemlich fade Sache: alles sitzt ewig rum, dumme Reden, viel Essen, am Ende ewige Tanzszenen, nichts, was für sich irgendwie wirklich Reiz hätte...... Und meine Leutchen hier und heute haben auch nicht gerade schauspielerische Qualitäten, wirklich fotogen sind die nicht, also bloß nicht nüchtern mit der Kamera drauf, so wollen die sich später sicher nicht sehen.............. das Essen war lecker, nicht nur mittags, auch der Kuchen hatte echt was........ mich nervt mittlerweile das rum stehen und ewig auf einen guten Schuss warten, die Szenen, bei denen mal wirklich was passiert kommen irgendwie nicht..... mein Filter funktioniert auch nicht so, wie ich es will und mir macht der Ton echt zu schaffen....... mein Assistent ist auch ganz schön bockig, jetzt hat er erst 3 oder 4 Mal Bänder beschriften sollen und Scheinwerfer ab- bzw. aufbauen und nervt schon gehörig, ich solle mich nicht so anstellen und meine Sachen alleine machen....... was denkt der eigentlich? Ich muss mich schließlich gehörig konzentrieren, könnte doch sonst die besten Bilder verpassen....... jetzt bin ich schon 13 Stunden hier am Set und es ist immer noch kein Ende in Sicht, die Gäste scheinen immer lebhafter, das Brautpaar immer ruhiger zu werden, mit den Lichtverhältnissen habe ich den Kampf aufgegeben, da mir die Leute hier sowieso immer und immer wieder aus meinem Scheinwerferkegel flüchten, drehe ich eben ohne, soll ja auch eine gewisse Atmosphäre geben...... und für die paar Kröten, die bei so einem Hochzeitsfilm am Ende übrig bleiben, kann ein Kunde schließlich nicht „Herr-der-Ringe-Style" erwarten........ ich denke, ich schleiche mich jetzt mal unauffällig davon, will doch keinen stören, das Brautpaar rufe ich dann morgen an......... 6 Stunden Rohmat habe ich auf meinen Bändern...... ich kann stolz sein, wirklich heavy was im Kasten............. die werden sich sicher freuen........... dann kann ich ihnen auch gleich verkünden, dass sie mit dem fertigen Film noch eine Weile warten müssen....... sieht schlecht aus momentan mit Schnitt, mein PC läuft nicht so rund........... Cut ist eh eigentlich nicht so mein Ding, vielleicht frage ich doch noch meinen Kumpel.............. jetzt bin ich erstmal stolz, dass ich meinen ersten Hochzeitsfilm so klasse abgedreht habe.......... hat keiner gemerkt, dass es das erste Mal war... gesagt jedenfalls habe ich das keinem......... und was nicht so passt, wird in der Post passend gemacht.........."

Einzelkämpfer auf dem Markt ohne Redaktion, Konzeption, Dispo und weiteres Mitarbeiternetz, das immer auch eine Qualitätskontrolle der eigenen Arbeit ist und nebenbei der Fachkraft auch den Rücken freihält für die wirklich „wichtigen" Tätigkeiten, fabrizieren Hochzeitsfilme eben eher „nebenbei". Wenn Marketing, Vertrieb, Kundenbetreuung, Disposition, Redaktion, Konzeption, Dreharbeit, Schnitt, Grafik, Qualitätskontrolle und Reklamationsmanagement in einer Hand liegen, leuchtet jedem wohl ein, dass alles wahrscheinlich einigermassen mittelmässig funktionieren könnte bei viel gutem Willen, wirkliche Produktqualität so aber nicht abzusichern ist. Als Firma mit Kompetenzteilung dem Thema Hochzeitsvideo und Hochzeitsfilm Raum zu geben ist ein interessantes Experiment im deutschen Markt, der sich dem Thema Auftragsdreh von Privatpersonen erst langsam weitet. Das Tagebuch unserer Kameraleute liest sich anders, aber dazu kommen wir später...........

Autor Manuela Weißmann  www.marryfilm-hochzeit.de   weissmann@marryfilm.de




 

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