Veröffentlicht : February 22, 2010 |
Autor : Crogan Kategorie : Medien | Bisher
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Deutsche Medienkultur, was heißt das? Nun, vielen Kritikern
werden zunächst Begriffe wie Prügel-Talkshows (mittlerweile aus der Mode),
Gerichtsshows und die momentan im Trend liegenden Dokusoaps durch den Kopf
schießen. Wer traditioneller belegt ist denkt vielleicht an die Tagesthemen.
Leider haben auch diese in den letzten Jahren immer stärker an Substanz
verloren. So bleibt uns heutzutage nichts andere übrig als mit aufgesetztem Meinungsfilter
durch die Medienlandschaft zu gehen und so viele Standpunkte wie möglich
aufzugreifen damit wir es doch noch irgendwie schaffen ein ganzheitliches Bild
von den Ereignissen auf dieser Welt zu bekommen.
Meinung wird überall gemacht, primär jedoch dort wo
Berichterstattungen einer großen Masse zugänglich gemacht werden. Ein Paradebeispiel
für politische Meinungsmache ist wohl die BILD Zeitung. Niemand kauft sie und
doch ist sie die Tageszeitung mit der größten Auflage in ganz Deutschland.
Meiner Meinung nach ist diese Zeitung recht geschickt produziert denn sie wird,
obwohl viele Menschen es abstreiten, von allen Volksschichten gleichermaßen
konsumiert und macht ihre Meinung auf eine sehr geschickte Art und Weise: Wenn
es nicht die provokante und wertende Schlagzeile ist, die den Menschen packt
und ihm die Meinung aufdrängt so tut es die Abgrenzung von diesem herrlich
einseitigen und flachsinnigem Schreibstil, der durchaus mit Absicht so gewählt
ist. So macht die BILD nicht nur die eigentliche Meinung, sondern gleich die
Gegenmeinung dazu.
Hinzu kommt der Ekel der in sämtlichen Reportagen und
Mittagsmagazinen verkauft wird. Trivialitäten werden zum Hauptthema, zum
Kernpunkt des Lebens. Menschliche Schicksale werden bis auf das Grundgerüst
ausgeschlachtet und allen anderen zur Exhibition angeboten – nur damit es dem
Zuschauer am Ende ein wenig besser geht. Immerhin gibt es Menschen die noch
schlechter dran‘ sind als eher. Dass die Berichterstattung hier nicht nur
ethische sondern auch morbide Grenzen sprengt zeigt auch die Berichterstattung
über den Tod des Robert Enke. Hauptsache man kippt nun auch noch das Frauenbild
komplett über Bord indem man in einer Doku-Soap einen schlechtlaufenden Puff
durch eine erfahrene Puffmutter und einem Edelbordellbetreiber aufwerten lässt.
Das hat nichts mehr mit sexueller Offenheit zutun sondern schlachtet die
Menschen am unteren Ende der Gesellschaft gnadenlos aus – für ein paar
Groschen. Vom übertriebenen Betroffenheitsjournalismus mal ganz zu schweigen.
Vor der Kamera wird Mitleid geheuchelt während sich an den Schauplätzen ganze
Reportercamps breitmachen die in ungebrochener Penetranz die Geschädigten
belagern. Egal ob der Vorfall noch ganz frisch ist und die Betroffenen
vielleicht eher psychologische Unterstützung bräuchten. Auch vor Kindern wird
hier nicht Halt gemacht. Hauptsache man wedelt mit dem Geldschein. Dieses
Geschäft ist moralisch fragwürdig.
Natürlich hat jeder Mensch das Recht sich selbst zu
entscheiden. So ist jemand der einer solchen Prozedur einwilligt am Ende wohl
selbst schuld. Die Menschen schauen sich eben das an was sie sehen möchten. Man
sollte jedoch bedenken, dass auch labile Menschen und Kinder vor dem Fernseher
sitzen, die eben noch nicht so gut eben jene Entscheidungen treffen können.
Hier kann das Schlammfernsehen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch
die wichtige, soziale Bildung in Mitleidenschaft ziehen. Am Ende bleibt das
Fernsehen jedoch demokratisch – deshalb rate ich ihnen persönlich einfach
abzuschalten und diverse Printmedien im Regal vergammeln zu lassen. Da es im
Mediengeschäft immer nach dem Ruf des Geldes gehen wird (mittlerweile auch dort
wo man eigentlich durch Gebühren finanziert wird) ist ein Loch in der Börse
auch das einzige Mittel das wirklich greifen kann.