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Im Titel In der Beschreibung     Erweiterte Suche
Veröffentlicht : February 22, 2010 | Autor : Crogan
Kategorie : Medien | Bisher gelesen : 606

  

Deutsche Medienkultur, was heißt das? Nun, vielen Kritikern werden zunächst Begriffe wie Prügel-Talkshows (mittlerweile aus der Mode), Gerichtsshows und die momentan im Trend liegenden Dokusoaps durch den Kopf schießen. Wer traditioneller belegt ist denkt vielleicht an die Tagesthemen. Leider haben auch diese in den letzten Jahren immer stärker an Substanz verloren. So bleibt uns heutzutage nichts andere übrig als mit aufgesetztem Meinungsfilter durch die Medienlandschaft zu gehen und so viele Standpunkte wie möglich aufzugreifen damit wir es doch noch irgendwie schaffen ein ganzheitliches Bild von den Ereignissen auf dieser Welt zu bekommen.

 

Meinung wird überall gemacht, primär jedoch dort wo Berichterstattungen einer großen Masse zugänglich gemacht werden. Ein Paradebeispiel für politische Meinungsmache ist wohl die BILD Zeitung. Niemand kauft sie und doch ist sie die Tageszeitung mit der größten Auflage in ganz Deutschland. Meiner Meinung nach ist diese Zeitung recht geschickt produziert denn sie wird, obwohl viele Menschen es abstreiten, von allen Volksschichten gleichermaßen konsumiert und macht ihre Meinung auf eine sehr geschickte Art und Weise: Wenn es nicht die provokante und wertende Schlagzeile ist, die den Menschen packt und ihm die Meinung aufdrängt so tut es die Abgrenzung von diesem herrlich einseitigen und flachsinnigem Schreibstil, der durchaus mit Absicht so gewählt ist. So macht die BILD nicht nur die eigentliche Meinung, sondern gleich die Gegenmeinung dazu.

 

Hinzu kommt der Ekel der in sämtlichen Reportagen und Mittagsmagazinen verkauft wird. Trivialitäten werden zum Hauptthema, zum Kernpunkt des Lebens. Menschliche Schicksale werden bis auf das Grundgerüst ausgeschlachtet und allen anderen zur Exhibition angeboten – nur damit es dem Zuschauer am Ende ein wenig besser geht. Immerhin gibt es Menschen die noch schlechter dran‘ sind als eher. Dass die Berichterstattung hier nicht nur ethische sondern auch morbide Grenzen sprengt zeigt auch die Berichterstattung über den Tod des Robert Enke. Hauptsache man kippt nun auch noch das Frauenbild komplett über Bord indem man in einer Doku-Soap einen schlechtlaufenden Puff durch eine erfahrene Puffmutter und einem Edelbordellbetreiber aufwerten lässt. Das hat nichts mehr mit sexueller Offenheit zutun sondern schlachtet die Menschen am unteren Ende der Gesellschaft gnadenlos aus – für ein paar Groschen. Vom übertriebenen Betroffenheitsjournalismus mal ganz zu schweigen. Vor der Kamera wird Mitleid geheuchelt während sich an den Schauplätzen ganze Reportercamps breitmachen die in ungebrochener Penetranz die Geschädigten belagern. Egal ob der Vorfall noch ganz frisch ist und die Betroffenen vielleicht eher psychologische Unterstützung bräuchten. Auch vor Kindern wird hier nicht Halt gemacht. Hauptsache man wedelt mit dem Geldschein. Dieses Geschäft ist moralisch fragwürdig.

 

Natürlich hat jeder Mensch das Recht sich selbst zu entscheiden. So ist jemand der einer solchen Prozedur einwilligt am Ende wohl selbst schuld. Die Menschen schauen sich eben das an was sie sehen möchten. Man sollte jedoch bedenken, dass auch labile Menschen und Kinder vor dem Fernseher sitzen, die eben noch nicht so gut eben jene Entscheidungen treffen können. Hier kann das Schlammfernsehen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch die wichtige, soziale Bildung in Mitleidenschaft ziehen. Am Ende bleibt das Fernsehen jedoch demokratisch – deshalb rate ich ihnen persönlich einfach abzuschalten und diverse Printmedien im Regal vergammeln zu lassen. Da es im Mediengeschäft immer nach dem Ruf des Geldes gehen wird (mittlerweile auch dort wo man eigentlich durch Gebühren finanziert wird) ist ein Loch in der Börse auch das einzige Mittel das wirklich greifen kann. 


Jan Lappöhn

jlappöhn@yahoo.de




 

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