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Nur selten erreicht ein Detail eines Bildes einen größeren
Bekanntheitsgrad als das Werk, dem es entnommen wurde, selbst. Bei den Putten
der „Sixtinischen Madonna“ des italienischen Renaissancekünstlers Raphael
ist dies jedoch eindeutig der Fall. Die anrührenden Cherubinen, kleine
knabenartige Figuren mit zierlichen Engelsflügeln, die verträumt in den Himmel
zu blicken scheinen, haben nicht nur den populären Bekanntheitsgrad der
„Sixtinischen Madonna“ übertroffen, sondern sie haben sich als Motiv regelrecht
verselbständigt. Nicht nur auf Kunstdrucken, Poster oder in
Bildbänden werden sie reproduziert, sondern sie zieren auch die
unterschiedlichsten Gebrauchsgegenstände wie Geschirr, Regenschirme oder
ähnliches. Manchmal sind sie sogar noch nicht einmal mehr als Paar, sondern als
Einzelfiguren reproduziert. Auf Raphaels „Sixtinischer Madonna“, die um 1512/13
für den Hochaltar einer Kirche in Piacenza angefertigt wurde, befinden sich die
Cherubinen in der Mitte am unteren Rand des Altarbildes, das sich heute in der
Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet. Zentrale Figur des Bildes ist
die Madonna mit dem Jesuskind, die von Papst Sixtus II sowie der Heiligen
Barbara flankiert wird. So entsteht eine klassische Dreieckskomposition als
Manifestation von Göttlichkeit. Die auf Wolken positionierten Figuren werden
von zahlreichen Engelsgesichtern, die zunächst für weitere Wolken gehalten
werden können, betrachtet. Die beiden Putten jedoch erscheinen im Gegensatz zu
den erhabenen, scheinbar schwebenden Hauptfiguren fast menschlich bzw.
weltlich. Vielleicht liegt hierin das Geheimnis ihres Erfolges. Den Bezug zur
Weltlichkeit stellt Raphael durch weitere kompositorische Mittel her: Der Blick
auf die drei Hauptfiguren sowie die himmlischen Wolken und die Engelsschaar
wird durch einen aufgezogenen Vorhang frei gegeben. Die kleinen Putten am
unteren Bildrand muten wie Zaungäste am Rande einer Bühne an. So schafft
Raphael mittels des Kunstgriffes der Bühne eine direkte Verbindung zwischen
Himmel und Erde.
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