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Im Titel In der Beschreibung     Erweiterte Suche
Veröffentlicht : October 22, 2007 | Autor : Elke Lohre
Kategorie : Kunst und Kultur | Bisher gelesen : 830

  

Nur selten erreicht ein Detail eines Bildes einen größeren Bekanntheitsgrad als das Werk, dem es entnommen wurde, selbst. Bei den Putten der „Sixtinischen Madonna“ des italienischen Renaissancekünstlers Raphael ist dies jedoch eindeutig der Fall. Die anrührenden Cherubinen, kleine knabenartige Figuren mit zierlichen Engelsflügeln, die verträumt in den Himmel zu blicken scheinen, haben nicht nur den populären Bekanntheitsgrad der „Sixtinischen Madonna“ übertroffen, sondern sie haben sich als Motiv regelrecht verselbständigt. Nicht nur auf Kunstdrucken, Poster oder in Bildbänden werden sie reproduziert, sondern sie zieren auch die unterschiedlichsten Gebrauchsgegenstände wie Geschirr, Regenschirme oder ähnliches. Manchmal sind sie sogar noch nicht einmal mehr als Paar, sondern als Einzelfiguren reproduziert. Auf Raphaels „Sixtinischer Madonna“, die um 1512/13 für den Hochaltar einer Kirche in Piacenza angefertigt wurde, befinden sich die Cherubinen in der Mitte am unteren Rand des Altarbildes, das sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet. Zentrale Figur des Bildes ist die Madonna mit dem Jesuskind, die von Papst Sixtus II sowie der Heiligen Barbara flankiert wird. So entsteht eine klassische Dreieckskomposition als Manifestation von Göttlichkeit. Die auf Wolken positionierten Figuren werden von zahlreichen Engelsgesichtern, die zunächst für weitere Wolken gehalten werden können, betrachtet. Die beiden Putten jedoch erscheinen im Gegensatz zu den erhabenen, scheinbar schwebenden Hauptfiguren fast menschlich bzw. weltlich. Vielleicht liegt hierin das Geheimnis ihres Erfolges. Den Bezug zur Weltlichkeit stellt Raphael durch weitere kompositorische Mittel her: Der Blick auf die drei Hauptfiguren sowie die himmlischen Wolken und die Engelsschaar wird durch einen aufgezogenen Vorhang frei gegeben. Die kleinen Putten am unteren Bildrand muten wie Zaungäste am Rande einer Bühne an. So schafft Raphael mittels des Kunstgriffes der Bühne eine direkte Verbindung zwischen Himmel und Erde.

 




 

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