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Ein Blick in die Welt der Reichen und
Schönen war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Wer Tag für
Tag im Büro sitzt und hinterher im Kleinwagen oder mit dem Bus
zurück in seine kleine Mietwohnung fährt, schielt schon mal
sehnsüchtig auf „die da oben“, die auf Empfängen in Grüppchen
beieinanderstehen, die Herren im maßgeschneiderten Brioni-Anzug, die
Damen im Samtkleid mit zentnerschweren Perlenketten, passendem
Ohrschmuck und brilliantbesetzten Diademen. Man tauscht
Klatsch und Tratsch aus und schlürft aus edlen Kristallgläsern
Champagner, dessen Wert für andere Leute ein Monatsgehalt wäre.
Jedenfalls ist dies die Klischeevorstellung, die wir oft genug in
unseren Köpfen mit uns herumschleppen.
Nun, dass das Luxusleben nicht so süß
ist, wie wir es uns gerne vorstellen, steht auf einem anderen Blatt.
Der wachsende Absatz an Klatschblättern und Highsociety-Kolumnen
zeigt aber doch ein Bedürfnis, sich in jene Menschen
hineinzuversetzen, an deren Stelle man gerne wäre. Und zu gerne
würde man diese Sehnsucht auch im Äußeren zum Ausdruck bringen. So
gönnt sich manche Dame ein Paar Schuhe, die mehr wert sind als ihr
ganzes sonstiges Outfit zusammen, und so mancher Herr bekommt den
besonderen Kick dadurch, am Wochenende mit dem großen Jaguar über
Land zu fahren – auch wenn er nur gemietet ist.
Nun, zumindest eines dieser
Statussymbole ist inzwischen auch erschwinglich, wenn man nicht zu
den oberen Zehntausend gehört. Denn wurden Perlen vor ein
paar hundert Jahren noch mit dem Wert ganzer Königreiche gehandelt,
so veränderte das Aufkommen der Zuchtperle im 19. Jahrhundert die
Situation für immer. War es früher nötig, aufwändig und oft unter
Lebensgefahr nach Perlen zu tauchen, so konnte man sie nun quasi
anbauen. Ein schwieriges Geschäft blieb die Perlenzucht dennoch,
denn sie verlangt ungeheures Fachwissen und enorme Geschicklichkeit
von den Züchtern.
Auch wenn manche Exemplare von
Zuchtperlen immer noch Höchstpreise erzielen, können Sie sich, wenn
Sie das nächste Mal in die Oper gehen, den Hals mit einer
Perlenkette schmücken – und sich ein wenig wie die
königlichen Hoheiten fühlen, deren Privileg dieser königliche
Schmuck früher war.
Manuel Wiese presse@krawatten-ties.com
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